[Quebrada de Humahuaca] Neben den ungeheuren Bergen, der strahlenden Sonne und den Kakteen fällt noch eine Besonderheit hier und in der gesamten Nordregion von Chile und Argentinien auf: der Baustoff der Häuser. Sie sind einstöckig, einfach konstruiert und bestehen in der Regel aus Adobe in Ziegelform. Adobe? Ganze Generationen werden jetzt an PDF-Formate und das US-Unternehmen denken. Dabei bezeichnet Adobe im Spanischen (Luft-) Ziegel. Das Baumaterial wird relativ leicht aus Lehm (manchmal mit Stroh vermischt) hergestellt, der in der Sonne in Holzrahmen zu Ziegeln geformt wird. Aufgrund der thermischen Eigenschaften ist Adobe ideal für trockene und wüstenartige Klimazonen wie z.B. hier in der Gegend des südlichen Wendekreises. Adobe gehört zu den ältesten Baumaterialien der Menschen und wurde auch im alten Ägypten und mittleren Osten verwendet. Es ist nachhaltig und energieeffizient und zudem überall verfügbar, wo es Lehm und andere organische Materialien zum Untermischen gibt. In Lateinamerika ist der Baustoff bereits seit pre-Inka-Zeiten Einsatz.

Die Quedraba de Humahuanca ist bekannt für die Dominanz der alten und neuen Adobe-Häuser. Hier stehen überall fertige Adobe-Ziegelhaufen herum und warten auf Verwendung.

Auch die frühen spanischen Konquistadoren griffen auf den lokalen Baustoff zurück, wie man am Original-Haus des Pedro de Valdivia sehen kann, das 1540 in San Pedro de Atacama für ihn auf seinem Zug nach Süden (Gründer von Santiago) errichtet wurde. Man sieht an diesem alten Haus jedoch auch den (vermutlich einzigen, aber gravierenden) Mangel von Adobe: wenn’s mal regnet, dann löst sich der Stoff auf. Als Durchreisender aus Deutschland, der sich ein Jahr ohne Regen nicht wirklich vorstellen kann, erscheint das wie ein Ausschluss-Kriterium. Hier überwiegt jedoch die pragmatische Einschätzung, dass man das bisschen „Lehmfluß“ an der Fassade oder auf dem Dach in Kauf nimmt (und sich offensichtlich nicht weiter daran stört…).

Schließlich noch die Antwort auf die Frage, warum ein prominentes IT-Unternehmen wie Adobe Corp. sich nach einem so verbreiteten Baustoff von zweifelhafter Qualität benannt hat. Die Antwort lautet: Als das Unternehmen 1982 von John Warnock and Charles Geschke gegründet wurde und man einen Namen suchte, entschied man sich kurzerhand für den Namen des Bachs, der hinter dem Haus von Warnock in Los Altos (Kalifornien) floß: der Adobe Creek. Dessen Name geht auf den Lehm zurück, den man dort gefunden hatte: Adobe. Manchmal sind die wahren Geheimnisse des modernen Lebens so banal wie einfach …