Die eigentlichen Bewohner der Atacama

[San Pedro de Atacama] Wenn man nach Chile reist oder mit Chile-Reisenden spricht, dann gibt es zwingend drei Reiseziele: Patagonien im Süden, die Städte Santiago und/oder Valparaísu in der „Mitte“ sowie die Atacama-Wüste im Norden. Das Ganze oftmals innerhalb von zwei Wochen und mit Hilfe diverser Flüge (die Zeit der Flugscham ist hier definitiv vorbei – oder ist nie angebrochen …). Und „Atacama“ bedeutet immer „San Pedro de Atacama„, ein kleines – aber sehr altes – Nest am nördlichen Rand der Atacama-Wüste. das vollständig auf die Bedürfnisse der internationalen Touristen ausgerichtet ist. Allerdings nicht in Hochbauweise (wie in den Küstenstädten), sondern in Lehmbauweise (das Material nennt sich Adobe). Die Lehmhäuser (in der Mehrheit „Hostals“) sind durch wirklich sehr staubige Straßen verbunden, gruppieren sich um den alten Platz und laufen in locker verbundenen Mauern in das Umland aus. Das Umland ist die Atacama-Wüste, weiter südlich mit dem „Salar de Atacama“ (Salzwüste) und östlich mit den Hoch-Anden (Grenze sowohl zu Bolivien als auch zu Argentinien`) gesegnet. Hier lebt seit Jahrhunderten das Volk der Likan Antei (im Spanischen: Atacameños), denen eine Teilautonomie vom chilenischen Staat zugestanden worden ist (so liegen etwa die Verwaltung und Zugänge zu den Parks in ihrer Hand). Eine Reihe aktiver und „schlafender“ Vulkane säumt die Bergketten, die den Salar und die Wüste umgeben. Die Region gehört in den Worten von Wiki zu den „trockensten und einsamsten Landschaften der Erde„. Hier schlagen wir also Mitte März unsere Zelte für ein paar Tage auf …

Schon die Anfahrt von Calama nach San Pedro de Atacama wird zur ersten Wüstenerfahrung, da die späte Nachmittagssonne alles in rotes Licht taucht, was den Effekt der roten Erde und Gesteinsformationen nur verstärkt.

Einmal vor Ort, muss man sich zwangsläufig den Tourenangeboten ergeben. Wer nach San Pedro kommt, der kann ab einem bestimmten Punkt nur Wüstentouren buchen. Dafür reist man ja letztlich an diesen extremen Punkt der Erde. Wir haben uns drei Standard-Angebote (aus einem Dutzend möglicher Touren) ausgesucht und uns auf einen Anbieter festgelegt (aus einem Pool von gefühlt 250 Anbietern, die alle werbend vor ihren Hütten und Häusern stehen). Am ersten Tag ging es in die Ebene hinaus mit der Tour „Laguna Cejar“ inkl. Flamingo-Gucken, Touri-Hüpfen am „Ojos del Salar“ und Baden in der Laguna Piedra (eher ein Treiben, man kann kaum Brustschwimmen, weil der Auftrieb so hoch ist).

Mit der Tour „Piedras Rochas“ ging es dann am Folgetag sehr früh vor Sonnenaufgang erst in die Ebene zur Laguna Chaxa Flamingos-Schauen, dann ins vulkanische Gebirge zu den hoch gelegenen „Piedras Rochas“ (erstarrtes Vulkangestein mit Salzsee auf über 4.000 Metern Höhe) sowie zu den Lagunas Altiplánica Miscanti y Miniques, in deren Umfeld die Vicuñas leben. Vicuñas sind die freilebenden Verwandten der Alpacas. Sie haben zwar deutlich mehr Freiheit, dafür aber auch deutlich weniger Wolle. Auf dem Rückweg kreuzen wir dann den südlichen Wendekreis, der hier mit einem Straßenschild aus seiner anonymen Virtualität herausgeholt wird. Als Tourist steht man einen Moment ahnungslos vor dem Schild und fragt sich, was „Trópico de Capricornio“ für eine Ortsangabe ist … bis man die Koordinaten darunter erkennt. Selbst dann hat’s einen Moment gedauert, bis es „klick“ gemacht hat. Am Abend wurden dann die verflossenen (und offenbar vergeblichen) Geografie-Stunden der Oberstufe nachgeholt und etwas tiefer in die Welt der Breiten- und Längengrade eingetaucht … man lernt nie aus!

Die dritte Tour ging zu den „Geisers del Tatio“ auf 4.320 Metern Höhe. Hier fährt man in der Frühe um 5 Uhr los und trifft gegen 6:30h auf eine Menge Gleichgesinnter (Touristen) sowie ein großes Geysirfeld, umringt von Bergen und Vulkanen. Angeblich das drittgrößte Feld (Nummer 1 ist natürlich in den USA … Yellowstone) und tatsächlich auch als Drittplatzierte immer noch eine Schönheit. Ein lohnender Ausflug, bei dem man auch einen aktiven Vulkan in der Ferne und den Vado Rio Putana (Lebensraum vieler Vögel) aus der Nähe zu sehen bekommt